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Farbenlehre – Die Farbe, die Gesellschaft und Du.

Kleider machen Leute heißt ein alter und auch wahrer Spruch. Viel mehr scheint es mir selbst im Moment jedoch die Farbe von Kleidung und Gegenständen zu sein, die Menschen und Charaktere bestimmen. Ziehst Du einmal eine andere Farbe an, wie man sie sonst normalerweise von Dir gewohnt ist, spricht Dich jeder darauf an. Dabei ist die Art der Kleidung bereits fast nebensächlich.
Ich wohne in einer Stadt, in der blinde Menschen überall zu sehen sind. Was das mit den Farben der Kleidung zu tun hat? Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, ob denn blinde Menschen die ehrlicheren Menschen im Umgang mit anderen Menschen und Dingen sind, da sie Farben und somit das Aussehen nicht interessieren.

Klar scheint, Farben sind Ausdruck einer Lebenseinstellung, der Lebensorientierung, des Zeitgeistes, der Mode und meistens auch für viele Menschen geschlechtsspezifisch.
Wer kann sich schon Jungs in rosa mit rosa Spielsachen oder kleine Mädchen in schwarz vorstellen, eine Ballerina in grau und Robin Hood in rot?
Kaum auf der Welt fängt die Gesellschaft bereits damit an Farben zuzuordnen, teilweise sogar der betroffene Mensch selber und ganz natürlich. Es ist also nicht von der Hand zu weisen, daß Frau und Mann, bzw. Junge und Mädchen sich farblich unterscheiden.
Männer trinken eher dunkel, Frauen eher hell würde der Macho sagen. Somit, Frauen trinken Kilkenny, Männer Guinness. An dieser Stelle weiß ich aber nun mit meinem Bailys nicht weiter.

KirschenAuch für die Lebenseinstellung, Markenimage und Tradition gibt es klare Farben. Könnt Ihr Euch denn Rocker in weiß vorstellen, einen Ferrari in grün oder den Mann auf einer Hochzeit in weiß und die Frau in schwarz?

Ich selbst bin ein Mensch, der Erdfarben, grau und schwarz durchaus zu den Favoriten in seiner Kleidung zählt. Vielleicht etwas langweilig aber zumindest kann ich nichts falsch machen. Das letzte Mal, als ich etwas anderes anhatte wurde dies umgehend kommentiert.

Kaum ziehst Du eine andere Farbe an, bist Du sofort ein anderer Mensch. Und zugegeben, der letzte Eigenversuch mal eine andere Farbe zu tragen endete mit der faszinierenden Erkenntnis, daß man sich auch selber auf einmal ganz anders fühlt, als man es bisher. Das alles nur durch eine andere Farbe.

Farbe_weißNatürlich nutzt auch die gesamte Industrie Farben für Ihre Zwecke. Denkt nur an die Werbebranche. Nichts wird dem Zufall überlassen. Nicht das Produkt, nicht die Verpackung, nicht die Werbung. Farbe manipuliert.

Technisch gesehen können wir 20 Millionen Farben unterscheiden, wobei es “nur“ 200 Farbtöne sind. Der Rest setzt sich aus Intensität und Weißanteil zusammen. Also sagen wir einmal, es sind 200 Farbtöne, die wir den Kategorien Mann, Frau und Unisex zuordnen können. Die Mode, der Zeitgeist und wenige weitere Aspekte ändern hierbei nur selten etwas.
Einfacher wird es, wenn man der Rock oder Gothik Szene angehört. Schwarz ist gesetzt. Ende !

Neon

Eine der schönsten Zeiten in meinem Leben war die, in der ich ich im Theater gearbeitet habe. Es ist eine ganz eigene faszinierende Welt. Sie zu beschreiben würde hier zu lange dauern. Die Faszination, das Leben, die vielen Eindrücke, die Gefühle, Musik, Licht, Bühne und eben auch die vielen Farben.
In Bezug auf Farben und deren Wirkung konnte ich unglaublich viel lernen in dieser Zeit. Alleine die Anzahl der verschiedene Farbfilter waren eine wahre Freude. Zu sehen, wie sehr man die Stimmung einer Bühne und deren Aufbau durch die richtigen Filter anpassen konnte, war sehr beeindruckend. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die eine Szene wortwörtlich in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt.
Ein Bühnenbild ohne Licht ? Fast unvorstellbar.

BooteWenn man mit Farben so sehr manipulieren kann, sind dann Menschen, die diese nicht wahrnehmen können oder einfach blind sind möglicherweise die Menschen, denen man nichts vormachen kann? Sie können Menschen, Produkte und Ihre Umgebung nur anhand der Charaktere, der Stimmung, der Sprache und Gerüche und durch tasten wahrnehmen. Bestimmt gibt es noch viel mehr und ich entschuldige mich, wenn ich jemanden unrecht tue aber ich kann es natürlich nicht beurteilen. Mir fallen diese Punkte jedoch als erstes ein und das ist es, woran ich mich in einem Selbstversuch als Zivi noch erinnern kann.

Wenn man in einer Stadt lebt, in der unzählige Blinde Menschen Zuhause sind kommt Dir früher oder später einfach der Gedanke, wie es wohl ist blind zu sein. Vermutlich kann man es sich nicht vorstellen.
Im “Book of Questions” von Gregory Stock gibt es eine Frage, in der es darum geht, ob man lieber blind oder taub sein möchte, wenn man wählen müsste. Gerade im Bezug auf dieses Thema ist es eine sehr interessante Frage ( Ist es im Alltag einfacher taub als blind zu sein? ) Btw, das Buch lohnt sich !
Umständehalber konnte ich vor drei Jahren für 2-3 Tage so gut wie nichts sehen und die Augen kaum öffnen. Das war verdammt anstrengend sich so durch das Leben zu bewegen. Im gleichen Zug bekommt man aber über die anderen Sinne sehr viel mehr an Informationen. Ich höre generell sehr gut aber habe doch noch sehr viel mehr mitbekommen in dieser Zeit als es normalerweise der Fall ist. Ebenso war es mit dem Tastsinn und generell mit dem Spüren von allen Dingen. Interessant, wenn man nicht mehr darauf achtet, ob es gut aussieht, was man trägt sondern einfach sagt „Es fühlt sich gut an“.

Sie sind da die Farben und sie machen ja auch viel Spaß. Ich denke nur an ein Feuerwerk aber ich werde in Zukunft versuchen nicht mehr ganz so sehr nach Farben zu beurteilen. Ob es gelingt weiß ich nicht aber spannend wird der Versuch sein.
Ich freue mich über Eure Gedanken in Form von Kommentaren, wenn Ihr welche habt.

Clematis

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