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Fernsehen – Vorlage für das Leben

Seit Ihr auch geprägt vom Fernsehen? Ich höre den großen Aufschrei. Neeeiiiin, wir sind doch nicht vom Fernsehen geprägt.
Nun gut, ich schon und mit mir behaupte ich, ein Großteil aller die fernsehen, mindestens jedoch unserer Generation.
Während der Fernsehkonsum bei der Gruppe der Personen über 30 Jahren in den letzten sieben Jahren leicht auf durchschnittlich 218 Minuten gestiegen ist, ist sie bei der jüngeren Bevölkerung sogar leicht auf 124 gesunken. What the fuck ! Wie kann man zwei bis drei Stunden pro Tag vor dem Fernseher sitzen? Kein Wunder, daß so manches den Bach herunter geht..

Mein Leben wurde trotzdem definitiv vom Fernsehen geprägt. Mein ganzes Leben, so wie ich es heute habe, wäre ohne Fernsehen so niemals gekommen. Ob positiv oder negativ kann ich nicht wirklich beurteilen. Ich sehe zumindest wenige negative Auswirkungen und behaupte, daß mich zumindest heute die Werbung ziemlich kalt lässt. Ziemlich bedeutet nicht, daß ich mich gar nicht beeinflussen lasse. Ich hätte ohne die Werbung nicht das Auto, welches ich fahre, zumindest in diesem Fall hat es funktioniert.
Nun inspiriert mich aber Werbung für Frauenhygiene wirklich so gar nicht, die Werbung für Herrenrasierer, bei denen sich Männer von Klippen stürzen und zu signalisieren, wie cool man(n) wird, wenn man sich rasiert hat allerdings auch nicht. Vielleicht, da wir hier keine Klippen haben ? Wer weiß.
Möglich ist es aber auch, daß ich ein Haß-Kunde bin, bei dem Werbung meist nicht greift. Einer, mit dem die Industrie nichts anfangen kann. Ich boykottiere Hersteller und Produkte, die mich in der Werbung nerven – allen voran ein Müsli aus dem Schwabenland. Nicht ein Stück werde ich davon essen ! Lieber esse ich Haferschleim zum Frühstück.
Außerdem lese ich die Texte auf der Verpackung ! Da können die Kartoffeln noch so sehr in der Werbung hüpfen und singen oder auf mich einreden, wenn Konservierungsmittel enthalten sind, haben sie einfach Pech gehabt. Das Ende der Kartoffel-Kariere bei mir. Solche Kunden sind unerträglich – solche Partner vielleicht auch. Gehe ich einkaufen, wird man etwas mehr Zeit an meiner Seite einplanen müssen. Wobei es besser wird, die meisten Produkte kenne ich nun schon.

Zähle ich die Sendungen und die Zeit zusammen, die ich als Jugendlicher vor dem Fernsehen verbracht habe, kommt schon eine stattliche Summe zusammen. Ich erinnere mich noch grob, wie mein Wochenplan aussah als ich noch in der Grundschule war; Das A-Team, Ein Trio mit vier Fäusten, Airwolf, Simon and Simon, Ein Colt für alle Fälle, und ganz klar, ALF ! Das ist ein kleiner Auszug der Sendungen, die absolute Pflicht waren. Filme und Ferienprogramm nicht mit eingeschlossen.
Das alles hatte einen gewissen Zeitgeist, der mich auch bis heute nicht losgelassen hat. Ich sehe diese Sendungen auch jetzt noch gerne, wobei auch neue Serien und Filme dazugekommen sind. Interessanterweise schaffen Filme oder Serien es mich mehr zu inspirieren als es jede Werbung könnte. Mein heutiges Auto fahre ich zugegeben nicht, da ich es in der Werbung gesehen habe, sondern in einem Film.

Denke ich an die Serie Anna, die Ihr vermutlich nur kennt, wenn Ihr irgendwo zwischen 30 und vierzig Jahre alt seit, dann muß ich mir eingestehen, daß eine Fernsehserie mit gerade mal 6 Teilen mein Leben so sehr geprägt hat, wie nichts anderes auf der Welt es jemals getan hat. Ich wäre heute nicht der Mensch, der ich bin, hätte diese Serie mir nicht etwas gezeigt, was mich seitdem nicht mehr losgelassen hat.
25 Jahre später kam in Form der Filmserie Twilight etwas neues, was mich doch sehr inspiriert hat. Prägen kann man in diesem Fall nicht mehr sagen, das hat denke ich sehr mit dem Alter zu tun. Als Kind und Jugendlicher lässt man sich deutlich mehr beeinflussen als man dies als Erwachsener kann.

Und trotzdem läuft der Fernseher bei mir wenn überhaupt vielleicht 2 Stunden in der Woche, in den meisten Fällen jedoch noch weniger. Der Grund ist ein einfacher; Es gibt wichtigeres zu tun als fernzusehen.
Filme und Serien schaue ich in Ruhe und ohne Werbung auf DVD. Und somit beschränkt sich mein Fernsehprogramm auf Sendungen in ARTE, 3SAT und den restlichen öffentlichen Programmen, wobei diese Sendungen in der Regel entweder auf meinem Recorder landen oder im Internet angesehen werden. Die Tagesschau sehe ich zu 90% online, wenn es gerade passt.
Trotzdem vermisse ich auch manchmal die unbeschwerten Zeiten, die ich einfach sorglos vor dem Fernsehen verbracht habe. Die Abende, an denen wir uns Wrestling-Shows angesehen haben um danach noch tagelang davon in der Schule zu reden. Davon zehre ich auch heute noch, unter anderem, da es einen riesen Spaß macht sich mit den Kollegen darüber zu unterhalten. Das sind dann Sätze wie „Hey, erinnerst Du Dich noch an den Kampf zwischen A und B?“ oder „Kennst Du noch den X oder den Y?“. Mindestens genauso wertvoll ist aber auch der Blick unseres älteren Kollegen, der nur Bahnhof versteht um dann mit einem großen Fragezeichen in ein Meeting zu verschwinden.

Spannend ist die Tatsache, daß sich Fernsehen gerade völlig verändert. Durch die Tatsache, daß man einen großen Teil online sehen kann oder Serien vereinzelt nur online zur Verfügung stehen, hat sich das Fernsehen und das Zuschauerverhalten grundlegend verändert. Und ich behaupte, daß ist erst der Anfang.

Ich sehe die Tagesschau mittlerweile fast nur noch online. Schade auf der einen Seite, da es doch ein zeitliches Ritual ist um den Abend einzuläuten. Leider eine Uhrzeit, zu der ich alles mache, nur in der Regel nicht den Fernseher an. Und hier liegt wohl der Ursprung des veränderten Sehverhaltens. Ich sehe Fernsehsendungen nur noch geplant, quasi als Termin. In der Regel weniger als einmal in der Woche. Einzig „Got to Dance“ steht bei mir aktuell im Kalender. Und hier komme ich wieder auf die Tagesschau zurück. Da ich diese nicht jeden Tag sehen kann, muß ich also anders an die Informationen gelangen. Und wie? Entweder die Tagesschau on Demand oder ein ganz anderes Medium. Radio steht hierbei bei mir noch an Platz 1.

Ich bin gespannt, wie es mit dem Medium Fernsehen noch weitergeht. Die Video on Demand Angebote, die überall aus dem Boden schießen und die gefüllten DVD-Regale mit Serien in den Läden sprechend jedoch eine deutliche Sprache für mich.

3 Kommentare

  1. Wie schön, das in deinem Blog zu lesen was uns so sehr verbindet – ANNA! (Auch wenn sich ausgerechnet hierbei ein Tippfehler eingeschlichen hat und du eine “Anne” aus ihr gemacht hast…) Auch mich hat diese Serie auf eine ganz markante Art und Weise geprägt, wenn auch eine andere als bei dir.
    Alles Liebe
    Miss Kitty

    • Kati

      Hallo Kitty,
      sträflicher Fehler ! Habe ich natürlich sofort korrigiert. Dabei ist mir auch gleich noch ein weiterer Fehler untergekommen. Ich bin aber feste davon überzeugt, der war zuletzt noch nicht da ! Da kannst Du mal sehen, daß ich noch immer zittrige Hände bei dem Namen Anna bekomme 😉
      Ja, faszinierend, was eine solche Geschichte mit einem machen kann. Drei Teile müssen wir uns noch ansehen…
      Liebe Grüße
      Kati

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