Kommentare 0

Leichtes Gepäck alleine macht es nicht — Pray for Fort McMurray

Ich bin nicht betroffen und doch tut es mir weh, wenn ich die Bilder von Fort McMurray sehe. Von “meinem“ Kanada. Wie ist es wohl, wenn man alles verliert, was man besitzt und nur noch seine Liebsten hat? Zumindest diese hat nach aktuellem Stand keiner verloren. Es grenzt an ein kleines Wunder aber es gab keine Toten bei dieser Katastrophe.

Ich habe schon oft im stillen darüber philosophiert, wie es einem wohl geht, wenn man aus welchen Gründen auch immer alles verliert. Naturkatastrophen, Unfälle, ich denke da z.B an den “Unfall“ um das Stadtarchiv in Köln, bei dem auch Wohnhäuser betroffen waren oder Krieg und vieles mehr.
Ich muß dazu stehen, ich bin total materiell. Ich verkaufe und entsorge wie ein großer alles mögliche aus meinem Leben, da ich einfach zu viel habe und doch ist noch so vieles da. Was wäre denn, wenn plötzlich alles weg ist?
Klar, schade um manches, traurig um vieles, schlimm für dies und das, wenn ich an meine Platten und CDs denke und tragisch für die Dinge, die man nicht mehr wieder bekommen kann. Briefe, Geschenke, Einzelstücke und allem voran gebasteltes oder gemaltes der Kinder.
Gerade dieser Tage habe ich oft den Text von Silbermonds „Leichtes Gepäck“ im Kopf. Wir haben alle viel zu viel in unserer Gesellschaft. Wie befreiend wäre es, wenn wir nur mit leichtem Gepäck reisen würden und die wirklich wichtigen Dinge nur im Herzen hätten? Für mich selber glaube ich, leider eine Illusion. Ich mit leichtem Gepäck?? Sind 10t leicht?

Ich denke sehr an die, die nun in Fort McMurray von vorne beginnen müssen. Die vielleicht gar nichts mehr haben, da ihr Haus samt Auto einer Flammenhölle zum Opfer gefallen sind. Auch eine Versicherung kann nicht alles ersetzen.
Vielleicht ist es ein Trost, wenn man nicht alleine ist mit seiner Trauer, sondern mit vielen Anderen neu anfangen muß. Vielleicht hilft es, wenn andere einem helfen, trotz des großen Verlustes.

Was alle dort vereint und das habe ich auch so empfunden, ist der Zusammenhalt aller Menschen dort. Es gibt ein sehr starkes Wir-Gefühl in Kanada. Ein Zusammenhalt, den wir uns hier oft erst einmal nicht erklären können. Es ist eines dieser Geheimnisse von Kanada. Die freundlichen Menschen ( auch hier gibt es Ausnahmen ), die zuvorkommende und offene Art, der “American Way of Life“, der aber gemischt mit der europäischen Mentalität, Kanada einfach unwiderstehlich macht.
Bevor mich nun alle attackieren, ja, es gibt auch hier nette Menschen. Aber hier suchst du eben die netten Menschen, in Kanada musst du die unfreundlichen suchen. Eine Erkenntnis, die sehr viele mit mir teilen, auch Bekannte, die seit Jahren in CA leben.

Ich kenne die Stimmen, die jetzt sagen, die Kanadier sind selber daran schuld, daß solche Katastrophen passieren und diese auch mehr werden. Und ja, es ist nicht ganz von der Hand zu weisen, daß etwas wahres daran ist.
Die Wälder werden aus Profitgier falsch bewirtschaftet. Das ist seit Jahren bekannt aber daran kann der einzelne, der alles verloren hat auch nichts ändern. Umweltschutz und Ökologie ist in CA noch nicht das größte Thema. Ein Trost, es kommt aber nach und nach.
Gerade Fort McMurray jedoch ist auch das Tor zu einer der größten Umweltsünden des ganzen Planeten. Direkt nördlich der Stadt  beginnen die riesigen Ölsandfelder, denen Alberta seinen gesamten Reichtum zu verdanken hat.
Böse Kanadier !? Langsam. In jeder Tankfüllung in Eurem Auto steckt indirekt auch Öl aus Alberta. In JEDEM ! Und auch Euer Flugzeug für den Urlaub oder das Schiff für die Kreuzfahrt kommt nicht ohne kanadisches Öl aus.

Ich wünsche allen Betroffenen viel Kraft und Erfolg !

Schreibe eine Antwort