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Roxette-Konzert ist nicht ins Wasser, sondern in den Wind gefallen

An dieser Stelle eine kleine rein veranstaltungstechnische Dokumentation zu meinem besuchten Roxette-Konzert in Mainz. Wir kennen es ja irgendwie alle von unseren Open-Air Konzerten. Wir freuen uns auf ein Konzert und es regnet in Strömen. Das ist alles akzeptabel, wenn die Musik gut ist und die Stimmung passt. Was wäre Woodstock ohne Regen gewesen. Schwieriger wird es, wenn der Wind einen Strich durch die Rechnung macht. Bei Wasser könnten wir vor der Bühne ja noch schwimmen aber Fliegen ? Hmm…


Was war passiert; In den letzten Tagen hat Deutschland eine ordentliche Hitzewelle abbekommen. Dieses Mal ohne Sand,kam die heiße Luft mit Hoch „Annelie“ auch nun wieder aus der Sahara. In Bad Dürkheim wurden am Samstag 39,2 Grad gemessen, was knapp unter der bisherigen deutschen Höchstmarke von 40,2 Grad lag. Der Sonntag stand neben erneut sehr hohen Temperaturen aber auch für Abkühlung. Aus dem Westen kamen ab dem Vormittag bereits örtlich starke Gewitter, teilweise mit Platzregen und Hagel. Zwar wurde Hessen zum großen Teil verschont und auch Mainz hat es nicht getroffen, gegen Abend kamen jedoch teilweise durch die Temperaturänderungen starke Winde auf. Auf dem Konzertgelände, der Nordmole, welche direkt am Rhein liegt, ist zudem freie Sicht und keine Infrastruktur, die den Wind bremsen könnte.

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Blitzkarte von Deutschland am 5.Juli 2015

Dies hatte der Bühne nach der Vorband schwer zugesetzt, sodaß am Ende aus Sicherheitsgründen geräumt und demontiert wurde. Neben der Gefahr, die durch die schwankende PA-Anlage und der Lichttechnik ausgegangen ist, wurde auch frühzeitig die Projektionsfläche für den Hintergrund zerstört, und flog teilweise in kleines Fetzen hinter die Bühne, nachdem die Rückwand wieder weiter nach hinten geflogen ist. Ein beeindruckendes Video hierzu findet Ihr auf der Facebook-Seite von Roxette.

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Die Bühne einige Minuten nach dem Einsetzen des Windes

Neben dieser Tatsache ist bei solchem Wind der Ton nicht mehr sauber, da sich dieser mit jeder Böe wieder verändert. Die Windgeräusche im Mikro und Geräusche, die durch die Bühne und dem flattern der Verkleidung der Dachkonstruktion auftreten geben dem Klangbild den Rest. Keiner der Besucher hätte hieran seine Freude gehabt.

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Bühne zu Beginn der Veranstaltung

 

Die Bühne ist eine windfeste Konstruktion mit Baukosten von rund 1 Million Euro. Das die Plane von der Rückseite dem Wind allerdings nicht standhalten konnte, bzw. da man sie aus Sicherheitsgründen möglicherweise bereits gelöst hatte, wurde dem Konzert an diesem Abend zum Verhängnis.
Schnell berechnet; bei einer Höhe von 15 Meter, einer Breite von 40 Metern und einer geschätzten Windstärke von circa 5 Bft kommt hier bereits eine Windlast von ca. 4,2t auf die gesamte Bühne und somit auf die rückwärtige Plane ( da ich die genauen Maße nicht habe, ist diese Rechnung nicht verlässlich ! )

Somit war die Entscheidung schon aus Gründen der Sicherheit nicht nur gerechtfertigt, sondern schlicht notwendig und vorgeschrieben.
Ein weiteres Thema, was die meisten an dieser Stelle nicht bedenken sind Themen der Versicherung und diese betreffen auch alle Besucher.
Hätte Roxette nur den ersten Ton gespielt, wäre die Versicherungslage eine andere gewesen, da die Band das Konzert abgebrochen hat und nicht der Veranstalter. Sie hätten also bereits eine “Leistung” erbracht. Möglicherweise hätte keiner der Besucher einen Ersatz erhalten. Auch an dieser Stelle hat der Veranstalter nicht nur aus Sicherheitsgründen alles richtig gemacht.

Unverständlich an dieser Stelle sind Pfiffe und laute Kritik an dem Veranstalter. Für mich gilt hier ganz klar Safety first ! In den letzten Jahren sind zahlreiche, schwerste Unfälle mit Bühnen bei Unwettern geschehen, teilweise mit Schwerverletzten und Toten !
Solche Bühnen mit diesen Maßen lassen sich nicht restlos windstabil aufbauen. Man kann als Veranstalter immer alles ein bisschen besser machen, was jedoch die Kritiker erwartet haben, bleibt mir noch immer ein Rätsel.
Ein Ersatztermin soll kommen, allerdings hat der Veranstalter bis heute Mittag noch keine Details mitgeteilt.

Ich bin gespannt, ob in den einschlägigen Fachzeitschriften etwas hierzu stehen wird.

Wie auch immer, es war ein trauriger Abend für alle 5000 Fans und mich, die wir gerne Roxette gesehen hätten. In meinem Fall das erste Konzert von Roxette, also „meiner“ Band. Unter diesen Umständen haben wir einfach Pech gehabt. Ich hoffe also auf das Beste und somit auf einen neuen Termin, da ich nicht davon überzeugt bin, daß Roxette noch oft zu sehen sein wird.
Zum einem muß man ehrlich sagen, die Hochzeit dieser Band liegt mindestens zwei Jahrzehnte zurück, zum anderen ist der Gesundheitszustand von Marie auch nicht perfekt. Dankbar können alle Fans sein, daß es ihr mittlerweile wieder besser geht. In einem Interview war die Rede von einer zeitweiligen Überlebenschance von 5%. Diese Zeit hat sie glücklicherweise hinter sich. Ich würde mich freuen diese unglaublich sympathischen Menschen doch noch sehen zu können. Keine andere Band hat meine Jugend so sehr geprägt wie Roxette.

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